Es gibt kein Patentrezept gegen Einsamkeit und soziale Isolation in häuslicher Pflege. Gefragt sind individuelle Wege und Lösungen. Doch
eins ist sicher: Es gibt immer Möglichkeiten, um mehr Zugehörigkeit und Verbundenheit zu finden. Manche sind schlicht noch nicht bekannt oder wurden noch nicht ausprobiert.
Außerdem ist hier die Zivilgesellschaft und Sozialpolitik dringend gefordert, stärkere Hilfenetze für die häusliche Pflege zu fördern und
bilden. Durch die demographische Veränderung unserer Gesellschaft wird sich dieses Problem in Zukunft noch verschärfen.
Ob sich ein Mensch einsam fühlt, isoliert lebt und darunter leidet, sieht man ihm nicht an! Am sinnvollsten ist es, den anderen und
auch sich selbst zu fragen: Fühlst Du dich gerade einsam?
Auch können verschiedene Anzeichen auf Einsamkeit (und soziale Isolation) hindeuten: Zu schauen ist aber, ob sie
auch andere Ursachen haben können. Nicht jeder Mensch, der z.B. pflegebedürftig ist, fühlt sich auch einsam!
- Es bestehen außer der Pflegebeziehung fast keine anderen sozialen Kontakte und Bindungen. Treffen mit anderen Menschen aus Familie,
Freundeskreis, Nachbarschaft, Vereinen, Schule, Ex-Firma usw. kommen (fast) nicht vor.
- Häufiges Grübeln, innere Leere, beständiges Misstrauen und negative Gedanken zu anderen Menschen, wiederholte unerklärliche Beschwerden
ohne Befund (z.B. Bauchschmerzen) können auch auf Einsamkeit hindeuten.
- Sind solche Anzeichen häufig und wiederkehrend vorhanden, kann ein Gespräch z.B. mit Hausarzt/Pflegedienst mehr
Aufklärung und Hilfen erbringen.
Selbstfreundschaft und Selbstfürsorge pflegen
- Ich schätze mich und meine innere Kraft (Resilienz).
- Ich lobe mich jeden Tag oder bin dankbar für mind. drei Dinge
(Freudentagebuch/Dankbarkeitstagebuch).
- Ich erinnere mich an Positives und genieße die kleinen Dinge im Leben.
- Ich sorge gut für mich (z.B. Ernährung, Bewegung, Musik, Blumen, Natur).
- Ich gestehe mir meine Überforderung und Einsamkeitsgefühle zu. Ich darf mich überfordert und einsam fühlen, nur darf es nicht dabei
bleiben, um Risiken für meine Gesundheit, Wohlbefinden und Beziehungsleben zu vermeiden.
- Für Pflegende: Zuerst sich selbst die Sauerstoffmaske aufsetzen, dann dem anderen… Ich sorge täglich für
pflegefreie Räume für mich und lasse auch mal fünf gerade sein. Ich darf Pflegeaufgaben auch loslassen. Ich darf selbst für
mich aktiv werden: Schritt für Schritt …
Mit anderen Menschen über meine Einsamkeit und soziale Isolation in der häuslichen Pflegesituation sprechen
lernen
- Ich darf mich überfordert und einsam fühlen, aber es darf nicht dabei bleiben!
- Ich darf und sollte über mein Befinden mit wertschätzenden Menschen sprechen!
- Falls niemand im privaten Umfeld für ihre Probleme ansprechbar ist, suchen Sie Hausärzt*in, Pflegeberatung, Wohlfahrtsverbände,
Selbsthilfe, Seelsorge etc. auf.
- Individuelle Ursachen sowie Ideen zum Abbau von Einsamkeit und Isolation besprechen, prüfen, auswählen und
umsetzen...
- Nach ein paar Wochen gemeinsam schauen: Was ist aus meinen Vorhaben geworden...?
- Was sind meine nächsten Schritte …?
- Nach ein paar Wochen Maßnahmen wieder prüfen und ggf. anpassen.
Mein Beziehungsnetz Schritt für Schritt ausbauen und pflegen ... Zugehörigkeit finden und ausbauen.
- Regelmäßige Kontakte, Treffen vor Ort mit alten und neuen Bekannten, Freund*innen, Nachbar*innen, Kolleg*innen etc. festigen die
sozialen Bindungen. Gute Bindungen brauchen Zeit.
- Jede wohltuende Bindung und Kontakt, jede funktionierende Gruppe wirken gegen Einsamkeit und soziale Isolation.
- Schritt für Schritt konkret planen und umsetzen:
- Mit welchen Menschen möchte ich (wieder) Kontakt aufnehmen, warum und wann?
- Gezielt einzelne Kontakte ansprechen, pflegen und soziales Netz ausweiten.
- Echtes gegenseitiges Interesse, ein klarer Zeitrahmen, Regelmäßigkeit und gemeinsames Tun sind wichtige Bedingungen für
den Aufbau starker Bindungen.
- Leicht werden abgesprochene Termine wieder abgesagt, weil die Pflege drängt. Dies verhindert aber den Aufbau starker Bindungen eher
(auch wenn es in dringenden Fällen punktuell notwendig sein kann).
- Klären: Wer kann für diese Termine meiner Beziehungspflege die Pflege/Präsenz beim pflegebedürftigen Angehörigen übernehmen? (z.B.
Alltagsbegleitung).
Und jedes Lächeln und jedes freundliche Gespräch zählen positiv... :-)