Einsamkeit – das ist bloß ein Problem der älteren Generation? Mitnichten. Einsamkeit ist unter jungen Menschen weitaus häufiger als bei Menschen im Alter ab 60 Jahren. Diese erschreckende Befund rief die „Junge Selbsthilfe“ in der Aachener Kontakt- und Informationsstelle für Selbsthilfe (AKIS) in der VHS Aachen auf den Plan. Zusammen mit der Autorin und Theologin Dorothee Boss führten die jungen Erwachsenen am 16. April 2026 einen moderierten „Mutmachabend“ zum Thema „Gemeinsam Wege aus der Einsamkeit finden“ durch. Es kamen mehr als 25 junge und einige ältere Menschen. Eine Premiere in Aachen.
Nach einem Kurzvortrag zu Definition und Verbreitung von Einsamkeit boten die Aktiven der Jungen Selbsthilfe einen moderierten Austausch in
Kleingruppen an Stationen an: So konnten alle Teilnehmenden abwechselnd an allen Stationen Halt machen und sich über die vielen Facetten von Einsamkeit und über ihre Interessen an gemeinsamen
Aktivitäten austauschen.
Die beeindruckenden Ergebnisse der lebhaften Gespräche zeigen: Junge Menschen sind Expert*innen in eigener Sache zu „Wegen aus der
Einsamkeit“.
Einsamkeit ist nicht nur ein Erleben, das Angst macht, sondern kann sogar richtig körperlich wehtun. Manche Menschen fühlen sich bereits in
der Kindheit einsam. In der Jugend wird häufig Einsamkeit erlebt. Genauso ist es eine Zeit der intensiven Verbundenheitsgefühle mit anderen. In Momenten der Einsamkeit kommen intensive Wünsche und
Bedürfnisse auf: nach offenen Ohren, nach einer guten Umarmung und vor allem nach Zusammensein mit anderen. Die Teilnehmenden nannten eine Vielzahl an eigenen Kraftquellen bei Einsamkeit: Lob und
Verständnis, Hobbies, Events, Filme bis hin zu Begegnungen in Familie, Freundschaften, Gruppen, Selbsthilfe. Gute praktische Ideen für einsame Momente sind z.B. Telefonieren, Gespräche, Spazieren
oder Sudoku. Die gesellschaftlichen Risikofaktoren für Einsamkeit sind vielen bekannt, z.B. Migrationshintergrund, Armut oder Arbeitslosigkeit.
Das Ziel der Jungen Selbsthilfe war an diesem Abend: das große Tabuthema Einsamkeit vor allem bei jungen Menschen sichtbar zu machen, in den
offenen Erfahrungsaustausch zu kommen und sich gegenseitig zu „Wegen aus der Einsamkeit“ Mut zu machen. Dies ist rundum gelungen. Eine Premiere in Aachen, die hoffentlich bald Nachahmerinnen
und Nachahmer findet.
Dorothee Boss
Mitten in der Coronapandemie 2021 startete die akis in der VHS Aachen mit ersten Veranstaltungen zu „Wegen aus der Einsamkeit“. Seither hat sich hier zu diesem Thema viel getan. Da lohnen sich ein kleiner Rückblick auf das Engagement der Selbsthilfeaktiven und ein optimistischer Blick nach vorne.
Einsamkeit ist eine der großen Herausforderungen für immer mehr Menschen quer durch alle Altersgruppen, nicht nur in Deutschland.
Einsamkeit belastet Wohlbefinden und Gesundheit, behindert soziale Teilhabe und Zusammenhalt in unserer Gesellschaft und Demokratie.
Einsamkeit als „sozialer Schmerz“ oder „sozialer Hunger und Durst“ belastet uns Menschen, weil wir Gruppenwesen sind. Wir brauchen gute soziale Beziehungen, um uns wohlzufühlen, gesund zu bleiben und
zu überleben. Einsamkeit ist ein wichtiges Signal: „Suche jetzt sofort sozialen Anschluss!“
Nicht unbedingt die Anzahl der sozialen Kontakte und Beziehungen ist entscheidend, um sich wohl und nicht einsam zu fühlen. Viele Menschen vermissen eher Nähe, Verbundenheit und Wärme in ihren eigenen Beziehungen. Sie fühlen sich emotional einsam. Doch wird Einsamkeit von jedem anders erlebt und sie sieht man von außen (meist) nicht an. Und Partnerschaft und Familie sind nicht immer ein Patentrezept gegen Einsamkeit, Alleinlebende müssen nicht zwangsläufig einsam sein.
Während Menschen aus gelegentlichen Einsamkeitsmomenten gut herauskommen, führen wiederholte oder andauernde Einsamkeitsphasen zu „Einsamkeitsspiralen“: Sie resignieren schneller in sozialen Kontakten, ziehen sich leicht zurück, werden misstrauischer und negativer anderen Menschen gegenüber, was ihre Einsamkeitserleben aber wiederum verstärkt. Diese chronische Einsamkeit kann krankmachen. Hier müssen Hilfen ansetzen.
Um Wege aus der Einsamkeit zu finden, kommt die Selbsthilfe genau richtig. Denn sie setzt vor allem auf die regelmäßige Unterstützung und Austausch in der Gruppe. Sich offen und fürsorglich in einer wertschätzenden Gruppe auszutauschen, kann helfen, (wieder) mehr Verbundenheit und Zugehörigkeit mit anderen Menschen und sich selbst zu finden. Gerade die Regelmäßigkeit der Treffen, das persönliche Kennenlernen und der Vertrauensaufbau – Schritt für Schritt – unterstützen den Abbau von Einsamkeit und fördern Zugehörigkeit und Verbundenheit. Kommen Hintergrundwissen, Tipps zur Selbstfürsorge und zum Aufbau und Pflege von sozialen Netzen hinzu, dann kann langsam (wieder) mehr Zutrauen zu sich selbst und zu anderen entstehen, was in Einsamkeitsphasen eher verlorengeht. Jede wertschätzende Begegnung und Beziehung zählen gegen Einsamkeit.
In der akis sind wir hier auf einem guten Weg. Aktuell bestehen zwei Selbsthilfegruppen – eine für junge Erwachsene und eine für Menschen ab dem mittleren Lebensalter – eine zweite Gruppe für junge Menschen zwischen 18 Jahren und 40 Jahren befindet sich gerade im Aufbau. Hinzu kommt eine moderierte Gesprächsreihe.
Zahlreiche Einzelveranstaltungen komplettieren das akis-Angebot zum Thema, von Vorträgen, Multiplikatorentreffen, Selbsthilfewerkstatt bis hin zur Podiumsdiskussion. Die Resonanz ist sehr positiv, neue Teilnehmende kommen regelmäßig hinzu.
Für gemeinsame Wege aus der Einsamkeit bleibt die akis mit ihren Selbsthilfeaktiven weiter engagiert am Ball.
Junge Menschen sind von Einsamkeit am stärksten betroffen. Für sie gibt es noch zu wenige passende Angebote.
Deshalb möchten AKIS und die junge Selbsthilfe hier einen neuen Aufschlag machen:
Am Dienstag, den 16. April 2026, findet um 18.00 – 19.30 Uhr im Forum (Raum 214) unter dem Motto „Ist da noch jemand? - Gemeinsam Wege aus der Einsamkeit finden“ ein Mutmachabend mit Vortrag und
Kleingruppenarbeit statt: Junge Erwachsene und alle, die gemeinsam Wege aus der Einsamkeit suchen, sind herzlich eingeladen. Referentin ist die Autorin und Dozentin Dorothee
Boss.
Dorothee Boss
Einsamkeit im Alter ist ein Problem, das man nun mit einem neuen Format angehen möchte.
Der erste Aktionstag „GemEINSAMkeiten“ bietet Betroffenen und grundsätzlich Interessierten eine breite Palette an Informationen und Austauschmöglichkeiten.
Zum Presseartikel der Aachener Zeitung vom 2.10.2025 (...).
Wer allein lebt oder allein ist, muss nicht unbedingt einsam sein. Die Buchautorin Dorothee Boss sieht im Alleinsein einen wichtigen Wert: Wer mit sich selbst im Reinen ist, kann besser auf Menschen zugehen und Beziehungen pflegen (...)
Zum Presseartikel - mit Interview - der Evangelischen Zeitung vom 01.06.2017 (...).
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